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Griechisch lernen

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Gedanken weg, Satz weg – wie bleibt man im Gespräch am Faden?

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Thorsten Hoffmann
Beiträge: 14
Themenstarter
(@t-hoffmann)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten
[#29]

Hallo zusammen,

ich lerne jetzt seit knapp zwei Jahren Griechisch und hatte letzten Monat endlich die Gelegenheit, mit einem echten Muttersprachler zu üben – ein Bekannter aus Thessaloniki, der gerade hier zu Besuch war. Theoretisch hätte das die perfekte Gelegenheit sein sollen. Praktisch war es... ernüchternd.

Das Problem: Ich rede viel zu langsam. Ich überlege beim Sprechen jeden Satz dreimal, bevor er rauskommt, und bis ich fertig bin, hat mein Gegenüber schon längst weitergemacht. Wenn er dann antwortet, versuche ich noch den letzten Satz zu verarbeiten und verliere dabei komplett den Anschluss. Das Gespräch stockt ständig, ich werde nervös, und dann kommen sowieso nur noch Halbsätze raus.

Bei meinen Übungspartnern online (alles Lernende wie ich) läuft's eigentlich ganz gut. Aber sobald ein Muttersprachler dabei ist, der normal spricht, bricht alles zusammen.

Ich hab das Gefühl, ich denke noch zu sehr auf Deutsch und übersetze dann. Stimmt das, oder gibt es andere Gründe für dieses Einfrieren?

Hat jemand konkrete Techniken, mit denen man flüssiger werden kann, ohne dass der Kopf dauernd auf 'Pause' drückt? Ich plane im Juli einen kurzen Griechenlandurlaub und würde das dort gerne wirklich nutzen.


6 Antworten
Tobias W.
Beiträge: 21
(@t-weber87)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Ich kenn das Gefühl leider zu gut. Hab selbst lange gebraucht um zu verstehen, dass das Problem gar nicht der Wortschatz ist – ich hatte die Wörter, aber sie kamen einfach nicht raus wenn's drauf ankam.

Was mir wirklich geholfen hat: Schattenübungen (shadowing). Also Muttersprachler-Audio laufen lassen und gleichzeitig mitsprechen, nicht nachsprechen. Das zwingt einen dazu, das Denken abzuschalten und einfach mitzumachen. Am Anfang klingt's schrecklich, aber nach ein paar Wochen merkt man, dass man nicht mehr jeden Satz vorab plant.

Ich hab das kombiniert mit dem was ich damals auch schon beim Thema griechische Nachrichten beschrieben hab: Erstmal das Hörverstehen beschleunigen, dann kommt auch das Sprechen nach.

Für deinen Urlaub im Juli: Setz dir kleine konkrete Ziele pro Gespräch. Nicht 'flüssig reden', sondern 'ich frage heute zweimal nach'. Macht den Druck kleiner.

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Antwort
Klaus Müller
Beiträge: 12
(@mediahellas52)
Active Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Das Thema kenne ich gut, ich hab mich damit auch schon intensiv beschäftigt – unter anderem im Zusammenhang mit dem Thread über Dialektunterschiede, wo das Zuhören bei Muttersprachlern ebenfalls ein Thema war.

Das 'Einfrieren', das du beschreibst, ist eigentlich ein klassisches Zeichen dafür, dass das Gehirn noch nicht im Griechisch-Modus arbeitet, sondern auf einem deutschen Betriebssystem läuft, das gerade überfordert ist. Das klingt banal, ist aber wirklich der Kern.

Was mir persönlich geholfen hat: Ich habe aufgehört, Sätze im Kopf fertig zu bauen, bevor ich anfange zu sprechen. Stattdessen fange ich an und akzeptiere, dass der Satz vielleicht holprig wird. Griechische Muttersprachler sind meiner Erfahrung nach ausgesprochen geduldig und helfen gerne weiter – die sind es gewohnt, dass Fremde ihr Griechisch üben.

Außerdem hilft es enorm, Brückenphrasen zu lernen, die Zeit schinden: 'ξέρεις...' oder 'πώς να το πω...' oder 'εννοώ...' – das klingt nicht nach Pausen, sondern nach normalem Sprechen. Schreib dir 5-6 solche Wendungen auf und übe sie bis sie automatisch kommen.


Antwort
Markus_K_1987
Beiträge: 14
(@markus_k_1987)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Ich hab ähnliches erlebt, als ich angefangen hab die Aussprache wirklich zu trainieren – das Mund-macht-nicht-was-der-Kopf-will-Phänomen gibt's nicht nur bei einzelnen Lauten sondern beim ganzen Sprechen. Wenn der Körper nicht automatisch mitmacht, klemmt alles.

Mein konkreter Tipp: Lern feste Satzbausteine auswendig, nicht Vokabeln einzeln. Also nicht 'θέλω = ich will' lernen, sondern 'θέλω να σου πω κάτι' als fertigen Chunk. Das Gehirn muss dann keinen Satz mehr zusammensetzen, sondern ruft einfach ein fertig gespeichertes Stück ab. Geht viel schneller.

Am Anfang fühlt sich das unecht an, aber Muttersprachler reden auch zu 80% aus fertigen Chunks, nicht aus neu konstruierten Sätzen.


Antwort
Wolfgang Becker
Beiträge: 22
(@wolfgangb53)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Dem Klaus (KlausHartmann) stimme ich grundsätzlich zu, aber ich möchte ergänzen: Der Druck im Gespräch kommt oft auch daher, dass man Fehler vermeiden will. Ich hab das selbst lange so gemacht – lieber nichts sagen als etwas Falsches. Das ist eine Sackgasse.

Ich lerne Griechisch seit einigen Jahren, hauptsächlich wegen meiner griechischen Freundin, und sie hat mir früh klargemacht: Grammatikfehler stören im echten Gespräch kaum jemanden. Was stört, ist Schweigen oder ständiges 'Moment mal'.

Was ich praktisch mache: Ich übe Gespräche laut alleine, auch ohne Gesprächspartner. Einfach laut vor mich hin, über alltägliche Dinge. Das klingt vielleicht seltsam, aber es trainiert genau das Abrufen unter 'Echtzeit-Bedingungen', ohne dass man dabei rot werden muss. Im Sommer hier bei der Hitze hab ich das in den frühen Morgenstunden auf dem Balkon gemacht, bevor es zu warm wird – funktioniert gut.


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