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Griechisches Bestellen: Warum immer für den ganzen Tisch?

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Sabine Hoffmann
Beiträge: 6
Themenstarter
(@s-hoffmann)
Active Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten
[#24]

Hallo zusammen,

ich plane gerade meinen Urlaub für Ende Juni und freue mich schon sehr darauf, endlich mal in Griechenland zu sein und das anzuwenden, was ich in den letzten Monaten gelernt habe. Dabei ist mir aber eine Frage aufgekommen, die ich mir schon länger stelle.

Letztes Jahr war ich mit Bekannten in einem griechischen Restaurant hier in Deutschland – der Besitzer war selbst Grieche – und der hat einfach für alle bestellt. Also nicht gefragt, was jeder einzelne will, sondern einfach viele Gerichte in die Mitte gestellt und alle haben gegessen. Wir waren sieben Leute und es war eigentlich sehr schön, aber ich hab mich auch etwas überrumpelt gefühlt, weil ich nicht wusste ob das jetzt so sein sollte oder ob er einfach keine Lust hatte, sieben verschiedene Bestellungen aufzunehmen.

Jetzt lese ich immer wieder, dass das in Griechenland ganz normal ist – dieses gemeinsame Bestellen und Teilen. Aber warum eigentlich? Ist das reine Höflichkeit, also so eine Art 'ich will sicherstellen dass alle etwas haben'? Oder steckt da wirklich eine tiefere kulturelle oder historische Tradition dahinter? Hat das mit der Familie, mit Religion, mit Armut früher zu tun?

Und noch praktisch: Wie sagt man als Gast höflich, wenn man etwas bestimmtes lieber alleine essen möchte? Gibt es dafür eine Formulierung, ohne unhöflich zu wirken?

Freue mich auf eure Einschätzungen!


2 Antworten
Sabine Kremer
Beiträge: 7
(@sabine89)
Active Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Das ist tatsächlich eine der Fragen, die ich mir am Anfang auch gestellt hab! Ich hab mich da echt reingelesen, weil ich genau dieses Gefühl kannte – irgendwie überrumpelt, aber gleichzeitig auch irgendwie... warm aufgenommen?

Also soweit ich das verstehe, steckt da wirklich Tradition dahinter, nicht nur Höflichkeit. Das griechische Konzept von 'φιλοτιμία' (Philotimia) spielt da eine Rolle – das ist so eine Art Ehrenhaftigkeit und Großzügigkeit, die tief in der Gesellschaft verwurzelt ist. Niemanden hungrig gehen zu lassen, das Beste zu teilen, das gehört dazu. Das hat historisch wahrscheinlich auch damit zu tun, dass Ressourcen früher geteilt wurden, weil man füreinander verantwortlich war.

Dazu kommt die Familienstruktur – griechische Mahlzeiten sind traditionell sehr gemeinschaftlich, nicht individuell. Jeder isst von allem, niemand sitzt da mit seinem eigenen Teller und ist fertig, während der andere noch wartet.

Für deine praktische Frage: Ich hab das hier im Dialoge-Thread schon mal angesprochen – manchmal ist ein freundliches 'Προτιμώ να παραγγείλω μόνος μου' (Ich bestelle lieber selbst) völlig okay, aber du wirst wahrscheinlich trotzdem Gerichte in die Mitte gestellt bekommen. Einfach mitmachen ist ehrlich gesagt die entspanntere Option 😄


Antwort
Klaus Weber
Beiträge: 13
(@klaus-weber)
Active Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Kurze Ergänzung dazu: Das ist keine Höflichkeit, das ist Weltanschauung. Griechen trennen nicht zwischen 'meinem' und 'deinem' Essen am Tisch – der Tisch gehört allen. Wer das als Überrumpelung empfindet, bringt einfach eine sehr deutsche Individualvorstellung mit. Ist nicht falsch, aber es hilft zu wissen, dass du dort keine Ausnahme bist, sondern einfach Teil der Runde.

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