Hallo zusammen,
ich plane gerade meinen Sommerurlaub für Ende Juni und bin ehrlich gesagt ein bisschen verzweifelt, was die Inselauswahl angeht. Santorini und Mykonos kommen für mich nicht in Frage – zu teuer, zu voll, und ich hab das Gefühl, dass man dort kaum echtes Griechisch hört, weil alle einfach auf Englisch umswitchen sobald sie merken dass man kein Muttersprachler ist.
Mich interessiert wirklich authentische Sprachumgebung. Ich lerne jetzt seit gut einem Jahr Griechisch und komme mit einfachen Alltagsgesprächen ganz gut zurecht – Bestellungen, kurze Unterhaltungen im Laden, so Dinge. Aber ich möchte auf einer Insel sein wo die Einheimischen wirklich unter sich sind und nicht sofort auf Touristen-Modus schalten.
Ich habe schon ein bisschen recherchiert und Namen wie Tilos, Ikaria oder Kastellorizo aufgeschnappt. Aber ich bin unsicher: Sind das wirklich noch 'unentdeckte' Orte oder ist das auch schon überlaufen? Gibt es dort überhaupt vernünftige Übernachtungsmöglichkeiten ohne Luxuspreise? Und vor allem – wie ist es sprachlich? Sprechen die Leute dort langsamer, dialektbedingt anders, oder ist das ähnlich wie Standardgriechisch?
Bin für jeden Tipp dankbar, gern auch ganz konkrete Erfahrungen von denen die selbst dort waren.
Also ich war noch nie auf den kleineren Inseln aber ich kann aus Gesprächen mit Muttersprachlern sagen: Lesbos und Samos werden von deutschen Touristen deutlich seltener angesteuert als die Kykladeninseln. Auf Samos soll es noch Dörfer im Hinterland geben wo kein Mensch Englisch spricht – da bist du quasi gezwungen Griechisch zu reden.
Ein Kollege von mir schwört auf Leros. Klein, kaum Kreuzfahrtschiffe, und die Einheimischen sind angeblich extrem herzlich wenn man versucht sich auf Griechisch zu verständigen. Das Theta hab ich ja selber noch nicht so im Griff wie ich's gern hätte, das kennt ja der ein oder andere hier, aber angeblich korrigieren die Leute dort freundlich und lachen nicht.
Für Juni würde ich generell sagen: Je früher im Monat desto ruhiger, bevor die Hauptsaison Mitte/Ende Juni richtig anzieht.
Folegandros! Wird selten genannt aber ist genau das richtige. Ruhig, keine Kreuzfahrtschiffe (der Hafen ist zu klein), und die Chora oben auf dem Berg ist wunderschön ohne überteuert zu sein. Ich hab da mal ne Woche verbracht und wirklich kaum Englisch gehört außer von anderen Touristen.
Ikaria kann ich auch nur empfehlen! Ich war vor zwei Jahren dort und es hat sich angefühlt als wäre die Zeit stehen geblieben. Die Panigiria dort – das sind Dorffeste die bis früh morgens gehen – sind absolut unvergesslich und sprachlich eine Goldmine. Die Leute reden, singen, erzählen... da kommt man ganz schnell ins Gespräch wenn man irgendwas auf Griechisch sagt.
Was die Dialektfrage angeht: Ja, ältere Ikarioten klingen etwas eigenwillig, aber du wirst nicht vor unlösbare Rätsel gestellt. Ich hatte damals auch schon ein bisschen Griechisch gelernt (hab mich früher hier im Forum vorbereitet) und konnte mich gut verständigen.
Eine Warnung: Zimmer auf Ikaria buche früh, auch wenn die Insel ruhiger ist. Die wenigen guten kleinen Pensionen sind im Juni schnell weg. Große Hotelanlagen gibt's kaum, aber das ist ja genau das was du suchst.
Ikaria ist wirklich eine andere Welt. Ich war letzten September dort und die Leute reden miteinander als wärst du Luft – und das meine ich positiv. Kein sofortiges Umschalten auf Englisch, einfach weil sie schlicht nicht erwarten dass ein Tourist ihnen folgt. Das ist anfangs einschüchternd, aber sprachlich goldwert.
Alledings: Der Dialekt dort hat eigene Eigenheiten, besonders bei älteren Bewohnern. Manches klingt deutlich weicher, Endsilben werden geschluckt. Mit Standardgriechisch kommst du trotzdem durch, keine Sorge.
Kastellorizo hingegen ist winzig – schön, aber im Juni kann das schon gut besucht sein weil es diese Instagram-Welle hat. Tilos kenne ich nur vom Hörensagen, soll aber ruhig sein.
Mein Tipp: Schau dir kleine Kafeneia abseits der Hafenpromenade an. Da sitzen die Einheimischen, da hörst du echtes Alltagsgriechisch. Einfach reinsetzen, einen Kaffee bestellen und zuhören – das hat mir mehr gebracht als jede Übungsstunde. (Hatte kurz vorher noch Mikrofonprobleme beim Üben zuhause, wie ich hier im Support-Thread beschrieben hab – echte Gespräche sind einfach unersetzlich.)