Hallo zusammen,
ich lerne jetzt seit etwa sechs Monaten Griechisch, hauptsächlich mit Duolingo. Die internen Tests der App schaffe ich inzwischen ganz problemlos, manchmal sogar mit Bestnoten. Ich dachte, ich mache wirklich gute Fortschritte.
Jetzt hatte ich aber Ende Mai meinen ersten richtigen Praxistest: Wir haben eine Griechenlandreise für August geplant – Kreta, zwei Wochen – und ich habe versucht, in einem griechischen Restaurant hier in der Nähe ein bisschen auf Griechisch zu bestellen. Die Inhaberin hat mich freundlich angelächelt, aber dann einfach auf Deutsch geantwortet. Und als ich weitergemacht habe auf Griechisch, hat sie etwas gesagt was ich überhaupt nicht verstanden habe.
Das hat mich ehrlich gesagt ziemlich ernüchtert. Sechs Monate Mühe, und dann das. Jetzt frage ich mich: Was messen die App-Tests eigentlich genau? Wenn ich Wörter anklicke oder Lücken fülle, ist das ja irgendwie eine ganz andere Sache als echtes Sprechen und Hören. Ich habe das Gefühl, die Tests zeigen mir was ich in der App gelernt habe – aber nicht ob ich wirklich Griechisch kann.
Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht? Und lohnt es sich überhaupt noch, die Duolingo-Tests als Maßstab zu nehmen, oder sollte ich meinen Ansatz vor dem Urlaub im August komplett umstellen? Ich will auf Kreta wenigstens ein bisschen kommunizieren können, nicht nur nicken und lächeln.
Danke schon mal,
Gerhard
Nutzlos würd ich nicht sagen, aber ich seh das schon etwas anders als Wolfgang oben. Ich glaub das größte Problem ist die Aussprache – nicht das Vokabular. Hab das selbst gemerkt als ich angefangen hab, griechische Serien zu schauen (dazu hab ich hier mal was geschrieben). Wenn du sechs Monate hauptsächlich getippt und geklickt hast, hat dein Mund nie wirklich Griechisch geübt. Die App testet halt was sie trainiert hat – und das ist leider nicht der Mund. Für Kreta im August: schau dir auf jeden Fall an wie griechische Wörter wirklich klingen, nicht wie du sie in deinem Kopf liest. Viele Lernende betonen falsch oder sprechen Vokale zu deutsch aus, und dann hört der Grieche erstmal Bahnhof. Das ist keine Kritik, das passiert fast jedem am Anfang.
Das kenne ich leider gut, Gerhard. Ich hab mich mit Grammatik monatelang beschäftigt – Akkusativ vs. Genitiv nach Verben hat mich zum Beispiel ewig beschäftigt – und trotzdem war das erste echte Gespräch ein ziemlicher Dämpfer. Das Problem mit App-Tests ist meiner Meinung nach grundsätzlicher Natur: Die testen vor allem Wiedererkennung und Übersetzungsreflexe, aber kein freies Sprechen und schon gar kein spontanes Hören unter realen Bedingungen. Echte Griechen sprechen schnell, schlucken Silben, benutzen Dialekt oder regionale Färbungen. Das ist eine völlig andere Welt als die ordentlich aufgeräumten Audio-Schnipsel in einer App. Ich würde die Tests nicht komplett als nutzlos abtun – sie helfen beim Vokabular und bei Grundstrukturen. Aber als Gradmesser für echte Kommunikation taugen sie schlicht nicht. Vor deinem Urlaub würde ich dringend empfehlen, gezielt Hören zu üben: griechische Podcasts für Lernende, kurze Alltagsdialoge auf YouTube. Und wenn irgend möglich: noch einmal in dieses Restaurant gehen und einfach dranbleiben. Die Inhaberin wird sich freuen.
App-Tests sind nicht nutzlos, aber sie messen halt das Falsche für echte Konversation. Punkt.