Hallo zusammen,
ich lerne jetzt seit knapp zwei Jahren Griechisch und hab mich die ganze Zeit auf Grammatik und Vokabeln konzentriert. Alle Tests die ich mache – ob online oder aus meinem Lehrbuch – schaffe ich meistens mit 90% oder mehr. Deklinationen, Konjugationen, Satzstellung... das sitzt alles ziemlich gut, finde ich.
Aber letzte Woche hab ich mir gedacht, ich teste mal wie weit ich wirklich bin, und hab eine griechische Serie angefangen (irgendwas auf einem Streaming-Dienst, spielt auf einer Insel). Und ich versteh buchstäblich: nichts. Na gut, vielleicht mal ein Wort hier und da, aber keine Sätze, kein Zusammenhang, gar nichts. Die reden als würden sie eine völlig andere Sprache sprechen als ich gelernt hab.
Das hat mich ehrlich gesagt ziemlich frustriert, weil ich dachte ich bin schon auf einem soliden Niveau. Jetzt frage ich mich ob meine ganzen Testergebnisse eigentlich gar nichts bedeuten oder ob ich irgendwas grundlegend falsch mache beim Lernen.
Ist das normal? Ich hab jetzt Sommerurlaub und hätte eigentlich vor, die nächsten Wochen intensiver mit dem Griechischen weiterzumachen – aber ich weiß gerade nicht so recht in welche Richtung. Macht es Sinn einfach mehr Serien zu schauen auch wenn ich kaum was verstehe, oder fehlt mir da eine komplett andere Grundlage?
Danke schonmal
Naja, ich seh das ehrlich gesagt ein bisschen anders als Martina oben. Du schreibst du verstehst "buchstäblich nichts" – das klingt für mich weniger nach einem Methoden-Problem als nach einem Vokabular-Problem. 90% bei Grammatiktests heißt ja nicht automatisch dass du ausreichend Wörter kennst. Grammatik ohne Wortschatz ist wie ne Straße ohne Autos. Ich hab selbst gemerkt dass man mindestens ein paar tausend der häufigsten Alltagswörter aktiv kennen muss bevor Hören überhaupt anfängt Sinn zu machen. Wie groß schätzt du deinen Wortschatz aktuell?
Das ist tatsächlich ein klassisches Problem, das ich selbst gut kenne. Ich hab dazu auch schon im Thread Musik und Filme gleich am Anfang – überfordernd oder hilfreich? geschrieben, aber kurz zusammengefasst: Grammatiktests messen hauptsächlich dein explizites, bewusstes Regelwissen. Du hast Zeit, du denkst nach, du wendest Regeln an. Das ist prima und die Grundlage ist wichtig – aber echtes gesprochenes Griechisch funktioniert anders.
In Serien sprechen Leute schnell, verschlucken Silben, benutzen umgangssprachliche Verkürzungen und jede Menge Redewendungen die in keinem Lehrbuch stehen. Dazu kommt: Dein Gehirn muss in Echtzeit verarbeiten, keine Zeit zum Nachdenken.
Die gute Nachricht: Das lässt sich trainieren. Ich würde dir empfehlen, erstmal mit kürzeren, einfacheren Hörmaterialien anzufangen – zum Beispiel Podcasts die explizit für Lernende gemacht sind – bevor du dich an native content wagst. Die Serie einfach durchzupowern bringt am Anfang oft mehr Frust als Lerneffekt. Aber ein bisschen was täglich hören hilft dem Gehirn, sich an das Sprechtempo zu gewöhnen. Im Sommer hast du ja jetzt die Zeit dafür!