Hallo zusammen,
ich plane diesen Sommer endlich ein größeres Lernprojekt für mein Griechisch anzugehen. Ich lerne jetzt seit etwa acht Monaten und komme mit den Grundlagen ganz gut zurecht, aber das Hörverstehen ist wirklich mein schwächster Punkt. Schriftlich und mit Grammatik läuft es einigermaßen, aber sobald jemand natürlich und schnell spricht, verliere ich den Faden völlig.
Nun habe ich mir gedacht: perfekte Gelegenheit, abends bei diesem Sommerhitze zu Hause zu bleiben und griechische Serien auf Netflix zu schauen. Aktuell gibt es ja ein paar griechische Produktionen dort. Aber ich frage mich ob es beim Lernen wirklich etwas bringt, wenn ich gleichzeitig deutsche Untertitel anlasse.
Mein konkretes Problem: Ich merke, dass ich einfach die deutschen Untertitel lese und das Griechische im Hintergrund verdränge. Das Gehirn nimmt den einfachsten Weg, klar. Andererseits ohne Untertitel verstehe ich kaum etwas und das ist dann auch frustrierend und ich lerne ja auch nichts wenn ich nur Bahnhof höre.
Ist das also wirklich kontraproduktiv oder kommt es darauf an wie man es macht? Gibt es da vielleicht einen Mittelweg? Wie handhabt ihr das? Ich würde mich über Erfahrungsberichte sehr freuen.
Viele Grüße
Stefan
Ich bin da ehrlich gesagt eher skeptisch, ob Netflix-Serien überhaupt ein gutes Lernmedium sind wenn man noch nicht so weit ist. Ich lerne Griechisch hauptsächlich wegen meiner Gartenreisen nach Griechenland und hab festgestellt: strukturiertes Lernen mit Lehrbuch bringt mir viel mehr als abendliches Serienglotzen, auch wenn das verlockender klingt.
Mit deutschen Untertiteln schaust du im Grunde einen deutschen Film mit griechischem Hintergrundgeräusch. Das ist meine ehrliche Meinung dazu. Ich hab das eine Weile probiert und dann aufgehört weil ich gemerkt hab dass ich am nächsten Tag nichts behalten hatte.
Für den Sommer würde ich eher empfehlen: kurze Alltagsvideos auf YouTube mit griechischen Untertiteln, da ist das Niveau oft besser dosierbar als bei einer Netflixserie die ja auch unterhalten soll und nicht lehren.
Ich seh das etwas anders als Marcus. Deutsche Untertitel sind meiner Einschätzung nach in frühen Phasen nicht kontraproduktiv, sondern schlicht die falsche Stufe – ähnlich wie wenn man einen Text liest, der viel zu weit über dem eigenen Niveau liegt.
Das Problem liegt nicht am Medium, sondern daran, welche Serien man wählt. Griechische Produktionen für ein internationales Publikum (also das, was Netflix einkauft) sind oft in einem recht natürlichen, schnellen Umgangsgriechisch gehalten. Als Achtsmonatslerner ist das schlicht zu viel Input auf einmal.
Ich hab mich viel mit gesprochenem Griechisch beschäftigt – die Wortstellung und das Sprechtempo im Alltag unterscheiden sich nämlich erheblich von dem, was in Lehrbüchern steht, das hab ich auch hier im Thread mal ausführlicher diskutiert. Kurzfazit: Erst das Niveau der Serie realistisch einschätzen, dann über die Untertitel-Frage nachdenken.
Also ich bin da pragmatisch: kontraproduktiv ist übertrieben. Nutzlos ist es auch nicht. Es kommt halt drauf an was du erwartest.
Wenn du denkst du lernst damit Griechisch – nein, wahrscheinlich nicht viel. Wenn du es als Ergänzung siehst um ein Gefühl für die Sprache, den Klang, typische Ausdrücke zu bekommen – dann hat es durchaus einen Wert. Ich hab gemerkt dass ich nach ein paar Monaten bestimmte Satzmuster wiedererkannte, obwohl ich die deutschen Untertitel gelesen hatte. Das Ohr lernt irgendwie mit, auch wenn man es nicht direkt spürt.
Aber ersetzen tut es echtes Lernen natürlich nicht.
Stefan, ich kenne dieses Dilemma wirklich sehr gut. Ich hab letztes Jahr einen ganzen Thread dazu geschrieben weil mich genau dieses Problem so beschäftigt hat – trotz längeren Lernens hab ich im echten Gespräch kaum etwas rausgebracht, und das Hörverstehen war eine der Hauptursachen.
Meine Erfahrung mit deutschen Untertiteln: Es ist ein Stufenproblem. Wenn du noch gar nichts ohne Untertitel verstehst, dann ist die Serie momentan einfach zu schwer für passives Hören. Deutsche Untertitel lösen das Problem nicht, sie überdecken es nur.
Was ich stattdessen mache: Ich schau kurze Szenen (wirklich nur 2-3 Minuten), schreibe auf was ich gehört habe, dann Untertitel zur Kontrolle. Das ist anstrengend, aber nach ein paar Wochen merkt man wirklich eine Veränderung. Wichtig ist auch, nicht zu lange am Stück – gerade im Sommer bei der Hitze ist die Konzentration eh schneller weg.
Und griechische Untertitel statt deutschen probieren, das hat mir persönlich sehr geholfen.