Hallo zusammen,
ich lerne jetzt seit fast zwei Jahren Griechisch und mache regelmäßig die Tests hier im Forum sowie aus meinen Lehrbüchern. Grammatik klappt eigentlich gut – Artikel, Fälle, Konjugationen, ich komme meistens auf 88-95%, manchmal sogar drüber. Ich bin wirklich stolz darauf, das hat viel Arbeit gekostet.
Aber dann setze ich mich hin – gerade jetzt im Sommer hab ich mir eigentlich vorgenommen, abends griechische Serien zu schauen statt immer nur mit dem Lehrbuch rumzusitzen – und verstehe buchstäblich gar nichts. Nicht 'wenig', sondern NICHTS. Die reden so schnell, verschlucken halbe Wörter, benutzen Ausdrücke die ich noch nie gesehen habe, und plötzlich klingt Griechisch wie eine völlig fremde Sprache.
Ich dachte, gute Testergebnisse bedeuten, dass man die Sprache wirklich lernt. Aber anscheinend bilde ich mir das nur ein? Mache ich mit meinen Tests nur irgendwas Sinnloses, das gar nicht dem echten Sprachgebrauch entspricht?
Kann mir jemand erklären, wo der Unterschied liegt und was ich konkret ändern sollte? Fühle mich gerade ein bisschen verloren, weil ich nicht verstehe, warum das so eine riesige Lücke gibt.
Danke schon mal!
Martina
Das ist ein klassisches Problem und du bist damit definitiv nicht allein. Tests – egal wie gut sie gemacht sind – prüfen in der Regel deklaratives Wissen: Du weißt die Regel, du erkennst die richtige Form, du kannst in Ruhe nachdenken. Beim Hören einer Serie passiert aber etwas ganz anderes. Dein Gehirn muss in Millisekunden verarbeiten, was gesagt wird, ohne Pause, ohne die Möglichkeit zurückzublättern.
Dazu kommt: In Serien wird umgangssprachlich gesprochen. Griechisch im echten Leben klingt komplett anders als Lehrbuchgriechisch. Wörter werden verschmolzen, Endungen weggelassen, regionale Ausdrücke und Slang tauchen auf, die in keinem Test vorkommen. Das hat nichts damit zu tun, ob du die Grammatik kannst – die Kanäle sind schlicht verschieden.
Mein Tipp: Fang mit Serien an, die Untertitel in Griechisch anbieten, nicht auf Deutsch. Damit trainierst du beides gleichzeitig. Und geh mit niedrigen Erwartungen rein – am Anfang reicht es, einzelne Wörter zu erkennen. Das ist normaler Fortschritt. Deine Grammatikkenntnisse sind eine gute Basis, aber Hörverständnis ist ein separater Muskel, den du jetzt erst anfängst zu trainieren.
Ich seh das ähnlich wie Klaus, aber ich will noch einen Punkt ergänzen der mir wichtig erscheint: Umgangssprache und gesprochene Floskeln sind ein eigenes Universum. Ich hab mich damit auch schon beschäftigt, damals im Thread zu Griechische Floskeln für Touristen - authentisch wirken? – da war das Thema zwar anders gelagert, aber das Grundproblem ist dasselbe: Was Griechen wirklich sagen und was im Lehrbuch steht, sind oft zwei Paar Schuhe.
Deine Testergebnisse sind nicht wertlos – vergiss das nicht. Aber sie messen halt ein bestimmtes Teilgebiet. Hörverständnis in natürlichem Sprechtempo ist fast eine eigene Disziplin.
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