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Orthodoxe Bräuche auf Kreta – was muss ich als Nachbar wissen?

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Werner-Mueller
Beiträge: 9
Themenstarter
(@werner-mueller)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten
[#34]

Hallo zusammen,

ich bin jetzt seit drei Jahren Besitzer eines kleinen Ferienhauses in einem Dorf bei Rethymno und verbringe jeden Sommer mehrere Wochen dort. Die Einheimischen sind sehr freundlich, aber ich merke immer wieder, dass mir das Hintergrundwissen zu den orthodoxen Traditionen fehlt – und das führt manchmal zu peinlichen Momenten.

Letzte Woche zum Beispiel: Meine Nachbarin Kyria Stavroula hat mir etwas zu essen vorbeigebracht und dazu etwas gesagt, was ich nicht wirklich verstanden habe. Irgendetwas mit Heiligem und Feiern, glaube ich. Später habe ich erfahren, dass es wohl der Namenstag ihres Mannes war. Ich hab nicht mal richtig reagiert, das war mir hinterher sehr unangenehm.

Was sind die wichtigsten orthodoxen Gepflogenheiten, die man im griechischen Alltag kennen sollte? Ich meine jetzt nicht die großen Feste wie Ostern, die kennt man ja irgendwie. Eher die kleinen Dinge – was passiert bei Heiligenfesten im Dorf, was erwartet man von Nachbarn, wann geht man in die Kirche und warum, was bedeuten die Kerzen und das Weihrauchbrennen in manchen Häusern?

Ich versuche gerade auch meinen griechischen Wortschatz in diesem Bereich aufzubauen, aber ohne Kontext helfen mir die Vokabeln wenig. Könnt ihr mir erklären, wie das alles im Alltag zusammenhängt? Besonders praktische Hinweise würden mir sehr helfen.

Vielen Dank!
Werner


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7 Antworten
R.Hollmann
Beiträge: 3
(@r-hollmann)
New Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Werner, ich hab mich im letzten Jahr intensiver damit beschäftigt, weil ich gemerkt hab dass man ohne diesen Kontext vieles falsch einschätzt. Ein paar Dinge, die mir im Alltag auf Kreta wirklich aufgefallen sind:

Erstens: Der Unterschied zwischen großen Festen und den vielen kleinen lokalen Heiligenfesten ist riesig. Die großen kennt jeder Tourist, aber die kleinen Panigiria im August und Juli sind oft viel authentischer – und da wird man als bekanntes Gesicht im Dorf gern dabei gesehen.

Zweitens: Nisteia, also Fastenzeiten, sind auch im Sommer relevant. Viele ältere Griechen fasten montags und freitags, was bedeutet dass sie kein Fleisch und keine Milchprodukte essen. Wenn du jemanden einlädst oder etwas mitbringst, ist das gut zu wissen.

Drittens, und das find ich aus meiner Perspektive wichtig als jemand der auf echte Alltagstauglichkeit setzt: Frag deine Nachbarn einfach direkt. 'Τι γιορτάζετε σήμερα;' – Was feiert ihr heute? Die freuen sich über das Interesse, ehrlich. Hab ich selbst schon mehrfach ausprobiert, funktioniert.

Zu griechischen Feiertagen allgemein hatte ich auch schon mal was geschrieben, vielleicht hilft das noch als Ergänzung.


Antwort
R.Hoffmann
Beiträge: 3
(@r-hoffmann)
New Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Interessantes Thema! Ich lern noch am Anfang und kenn mich mit Kreta nicht so aus, aber eine Sache weiß ich: das Wort 'Ευλογία' (Evlogia) – Segen – begegnet einem im griechischen Alltag ständig, auch in ganz normalen Gesprächen. Das hätte ich so nicht erwartet.


Antwort
Manos_76
Beiträge: 6
(@manos_76)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Also ich kann das aus meiner Erfahrung hier bestätigen – die orthodoxe Kirche ist in den Dörfern auf Kreta wirklich allgegenwärtig, auch baulich. Bei meiner Renovierung hab ich gelernt, dass man beim Hausbau traditionell den Grundstein mit einem kleinen Ritual segnen lässt, Hagiasmos nennt sich das. Der Priester kommt, sprengt Weihwasser, betet – und dann wird oft eine Münze unter den ersten Stein gelegt.

Für den Alltag als Nachbar: Schau einfach, wann in der Dorfkirche Kerzen brennen und Leute rein- und rausgehen ohne dass es ein großes Fest ist – das sind die kleinen Ortsfeiertage, die Panigiri des jeweiligen Heiligen. Da wird abends oft gemeinsam gegessen und getanzt, wirklich schön. Als Zugereister wirst du herzlich eingeladen wenn du einfach fragst: 'Μπορώ να έρθω;' – Darf ich kommen?


Antwort
Stefanie_1974
Beiträge: 4
(@stefanie_1974)
New Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Hallo Werner,

den Moment mit Kyria Stavroula kenne ich so ähnlich – man steht daneben und lächelt verlegen, weil man einfach nicht weiß, was gerade passiert. Das Wichtigste zuerst: Bei einem Namenstag reicht es vollkommen, 'Χρόνια πολλά' (Chronia polla) zu sagen, das bedeutet so viel wie 'viele Jahre' und ist der Standardglückwunsch für fast alle Anlässe.

Zu den orthodoxen Alltagstraditionen: In vielen Dörfern gibt es kleine Kapellen oder Wegschreine, die sogenannten Ikonostasien – das sind diese kleinen Metallkästen am Straßenrand mit einem Heiligenbild und einer Öllampe darin. Die werden von Familien gepflegt, oft zu Ehren eines verstorbenen Angehörigen oder als Dank für eine überstandene Gefahr. Wenn jemand dort eine Kerze anzündet, ist das ein sehr persönlicher Moment.

Auch das Weihrauchbrennen zu Hause ist ganz normal, besonders freitags oder vor Heiligenfesten. Wenn dich jemand einlädt und ein Weihrauchfass rumgereicht wird, einfach die Hände über den Rauch halten und leicht verbeugen – das wird sehr positiv aufgenommen.

Ich hab übrigens mal zum Thema Mittagsruhe geschrieben – da gibt es auch religiöse Überschneidungen, z.B. an bestimmten Feiertagen gelten noch strengere Ruhezeiten.

LG Stefanie


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