Ich lerne jetzt seit einem Jahr Griechisch, hauptsächlich auf den Peloponnes-Urlaub im August ausgerichtet. Dabei stoße ich immer wieder auf Redewendungen, für die es schlicht kein deutsches Gegenstück gibt – und das stellt mich vor ein methodisches Problem.
Zum Beispiel 'σιγά σιγά' – klar, wörtlich 'langsam langsam', aber die Nutzung geht ja viel weiter als das. Die Griechen sagen das in so vielen Situationen, dass es fast eine Lebensphilosophie ist. Oder 'έλα' – dieses Wort scheint gefühlt 40 verschiedene Bedeutungen zu haben, je nach Kontext und Tonlage. Wie lernt man sowas überhaupt 'richtig'?
Meine bisherige Erfahrung: Vokabelkarten versagen hier komplett. Ich kann nicht einfach 'έλα = komm her' draufschreiben und gut ist. Kontextbasiertes Lernen scheint hier der einzige sinnvolle Ansatz – aber wie konkret? Ich habe versucht, griechische YouTube-Videos zu schauen, aber ohne Untertitel verliere ich ständig den Faden.
Gibt es Redewendungen, die ihr als besonders schwer übersetzbar empfindet, und wie habt ihr die in euren aktiven Wortschatz integriert? Mich interessiert speziell, ob jemand systematisch vorgegangen ist oder ob es wirklich nur über Immersion funktioniert. Ich teste methodisch, was besser hängt – würde gerne Erfahrungen anderer damit abgleichen.
Ich find den Ansatz mit den Vokabelkarten für sowas grundsätzlich problematisch, das stimmt. Aber ich würde auch das kontextbasierte Lernen nicht als die eine Lösung feiern – wenn man nicht weiss was man hört, lernt man auch durch Immersion erstmal wenig.
Was ich selbst mache (bin auch noch Anfängerin, aber ich denke viel über Methodik nach): erst verstehen was ein Ausdruck NICHT bedeutet, also Fehlinterpretationen aktiv ausschließen. Bei 'έλα' z.B. – es ist eben NICHT immer eine Aufforderung. Das klingt banal, aber wenn man das verinnerlicht hat, fängt man automatisch an, auf den Kontext zu achten statt eine falsche Übersetzung drüberzustülpen.
Die Situationsbeschreibungs-Methode von Thomas finde ich eigentlich gut, auch wenn ich sowas normalerweise eher skeptisch sehe. Bei wirklich kontextabhängigen Ausdrücken macht das Sinn.
Ich bin da ehrlich gesagt noch nicht so weit – ich kämpfe noch mit dem Alphabet morgens vor der Arbeit, haha. Aber die Frage find ich super interessant, weil mir genau sowas Angst macht für später. Wenn schon einzelne Wörter so vieldeutig sind... wie soll man da als Anfänger überhaupt durchblicken?
Das kenne ich gut – ich hab mich damit auch schon intensiv beschäftigt, gerade weil ich versuche, Sprache und Kulturkontext zu verbinden (hab dazu hier schon mal was geschrieben).
Bei 'έλα' zum Beispiel: Das lernt man meiner Meinung nach wirklich nur über wiederholtes Hören in echten Situationen. Kein Lernprogramm bildet diese Bandbreite vernünftig ab. Was mir geholfen hat: griechische Kurzfilme oder Serien mit griechischen Untertiteln – nicht deutschen! Sobald ich deutsche Untertitel lese, übersetze ich automatisch, statt das Gefühl für den Ausdruck zu entwickeln.
'σιγά σιγά' ist tatsächlich so ein Fall, wo es fast kontraproduktiv ist, eine direkte Übersetzung zu suchen. Ich notiere solche Redewendungen inzwischen mit einer kurzen Situationsbeschreibung, nicht mit einer deutschen Entsprechung. Also sowas wie: 'sagt man wenn jemand ungeduldig ist, zur Beruhigung, aber auch ironisch wenn was schiefläuft'. Das klingt aufwendig, bleibt aber viel besser hängen als eine Ein-Wort-Übersetzung.
Ich lerne Griechisch eigentlich wegen der Pflanzennamen auf den Märkten, deshalb bin ich bei Redewendungen nicht so tief drin. Aber 'σιγά σιγά' hab ich schon oft auf dem Markt gehört wenn ich zu ungeduldig an einem Stand war – der Verkäufer hat das freundlich aber bestimmt gesagt. Hab's danach nie vergessen. Vielleicht ist das die ehrlichste Antwort: man lernt Redewendungen, wenn man sie am eigenen Leib erlebt.