Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit geraumer Zeit mit der griechischen Sprache und frage mich, ob es methodisch sinnvoll ist, bei Redewendungen den etymologischen Hintergrund zu ergründen. Viele Lehrbücher präsentieren Wendungen wie "Κάνω κουμάντο" oder "Πάω πακέτο" isoliert, ohne die historische Entwicklung zu erklären.
Meine These: Wer die Verbindung zwischen antiken Ursprüngen und modernen Redewendungen versteht, behält diese nachhaltiger im Gedächtnis. Beispielsweise "Τον Αϊ-Βασίλη τον είδες;" - hier zeigt sich der kulturelle Wandel vom byzantinischen Heiligen zum Weihnachtsmann.
Andererseits investiere ich viel Zeit in die Recherche, die ich auch für das reine Auswendiglernen nutzen könnte. Für meine Griechenland-Reise im August wäre mehr Quantität vielleicht praktischer.
Wie seht ihr das? Bremst der wissenschaftliche Ansatz beim Spracherwerb eher, oder schafft er das notwendige Verständnis für idiomatische Wendungen? Hat jemand Erfahrung mit beiden Methoden?
Gruß
Thomas
Hallo Thomas,
aus praktischer Sicht kann ich dir nur raten: Lass die Etymologie erstmal weg! Ich vermiete Ferienwohnungen auf Kreta und musste schnell die wichtigsten Redewendungen draufhaben, um mit Handwerkern, Nachbarn und auch griechischen Gästen zu kommunizieren.
Wenn der Elektriker sagt "Πάμε πακέτο" (alles zusammen machen), dann ist mir völlig egal, woher das historisch kommt - ich muss nur verstehen, dass er den ganzen Job auf einmal erledigen will. Oder wenn jemand "Κάνει κουμάντο" über einen störenden Nachbarn sagt, hilft mir das sofort weiter.
Für deinen August-Trip würde ich definitiv auf Quantität setzen. Die Griechen freuen sich riesig, wenn du auch nur ein paar Wendungen draufhast, und das schafft sofort eine andere Atmosphäre. Das etymologische Zeug kannst du später immer noch nachholen, wenn du wirklich tief in die Sprache einsteigen willst.
Mein Tipp: Sammel erstmal 20-30 alltagstaugliche Redewendungen und üb die bis sie sitzen. Der wissenschaftliche Ansatz ist bestimmt interessant, aber für den praktischen Nutzen erstmal Ballast.
Viel Erfolg bei der Reise!
Andreas