Hallo zusammen,
ich arbeite seit Jahren als Altbau-Sanierer und habe regelmäßig griechische Handwerker auf der Baustelle – Fliesenleger, Maurer, Installateure. Die meisten sprechen kaum Deutsch, ich kein Griechisch, und irgendwie retten wir uns mit Händen und Füßen und Google Translate durch den Arbeitstag.
Das funktioniert erstaunlich schlecht, wenn es darum geht, technische Details zu besprechen. Letzte Woche wollte ich erklären, dass eine Wand tragend ist und nicht einfach rausgerissen werden kann – da war Google Translate ehrlich gesagt keine große Hilfe, weil die Begriffe entweder falsch übersetzt wurden oder mein Gegenüber die Formulierung einfach nicht kannte.
Ich suche jetzt einen pragmatischen Einstieg: Was sind wichtige Vokabeln und Redewendungen für die Baustelle? Wie spreche ich über Materialien, Werkzeuge, Arbeitsabläufe? Und vielleicht genauso wichtig: Gibt es kulturelle Eigenheiten, die ich auf der Baustelle kennen sollte? Also wie läuft Kommunikation mit griechischen Handwerkern typischerweise ab, was gilt als unhöflich, wann macht man Pause, solche Dinge.
Ich will keinen Sprachkurs von null anfangen, sondern wirklich gezielt für meinen Berufsalltag lernen. Hat jemand Erfahrungen damit oder Empfehlungen, wo ich anfangen soll?
Danke schon mal!
Georg
Ich lern Griechisch hauptsächlich übers Hören – Podcasts, Serien, das ganze Programm – und dabei fällt mir auf dass Handwerksgespräche in griechischen Alltagsserien eigentlich recht häufig vorkommen. In einer Serie die ich grad schaue (τηλεπωλητής, so ne Art Renovierungsformat) hört man ständig Sachen wie "σπάσε τον τοίχο" (reiß die Wand raus) oder "το σωλήνα" (das Rohr). Die Aussprache kann man sich da gut abschauen.
Für deinen Zweck würd ich wirklich empfehlen, auch mal griechische YouTube-Videos zu Renovierungsthemen zu suchen. Die gibt es in erstaunlicher Zahl, und man hört wie die Leute wirklich reden – nicht wie ein Lehrbuch. Manche haben auch Untertitel.
Das Problem mit Google Translate bei Fachbegriffen kenn ich btw gut, hab das auch schon mal angesprochen – automatische Übersetzungen versagen genau dann wenn man sie wirklich braucht.
Hi Georg,
interessante Frage, die ich aus einer etwas anderen Richtung kenne. Ich beschäftige mich beim Altbau-Sanieren vor allem mit byzantinischer Bautechnik und der Fachterminologie dahinter – aber dabei bin ich natürlich auch über viele moderne griechische Baubegriffe gestolpert, die sich aus der Antike oder Byzanz ableiten.
Ein paar Sachen, die mir konkret geholfen haben: Das Wort für Mauer/Wand ist τοίχος (tíchos), tragend heißt φέρον (féron), also φέρων τοίχος für tragende Wand. Fundament: θεμέλιο (themélio). Ziegel: τούβλο (toúvlo). Mörtel: κονίαμα (koníama) – wobei auf der Baustelle wohl eher das alltagstauglichere Wort gebraucht wird, das müsste jemand mit echtem Baustellenkontakt bestätigen.
Zur Frage der Kommunikationskultur: Griechen auf der Baustelle legen viel Wert auf persönliche Beziehung und gegenseitigen Respekt – ein kurzes "Γεια σου" (Yiasou) am Morgen und ein ehrliches Interesse an der Person machen schon einen großen Unterschied. Mittagspause wird meist ernst genommen, da sollte man keine eiligen Entscheidungen einfordern.
Für deinen pragmatischen Ansatz würde ich empfehlen, dir eine kleine Wortkarte mit den 20-30 wichtigsten Baubegriffen anzulegen und die in echten Situationen einzusetzen. Das baut Vertrauen auf – auch wenn das Griechisch holprig ist.
Hatte dazu auch schon mal was im Thread Ist Griechisch wirklich so viel schwerer als Spanisch oder Französisch? geschrieben – Griechisch ist lernbar, man braucht aber einen konkreten Anker, und dein Beruf ist ein sehr guter.
Ich kenn das Problem nur vom Hörensagen, aber ich finde die Frage total spannend. Ich selbst bin eher auf der Seite "möchte mein Haus mit griechischen Elementen gestalten und dabei die Sprache lernen" – also eher Heimwerker-Romantik als echte Baustelle, haha.
Was ich bisher gemerkt habe: Der Fachwortschatz für Handwerk und Bau ist im Griechischen oft erstaunlich logisch aufgebaut, weil viele deutsche Fachbegriffe ja sowieso griechische Wurzeln haben. Das hilft einem manchmal beim Ableiten.
Aber zur eigentlichen Frage: Ich glaube, der kulturelle Aspekt ist fast wichtiger als die Vokabeln. Was ich in verschiedenen Quellen gelesen habe – und das deckt sich mit dem, was A.Bergmann schreibt – ist, dass die persönliche Ebene wirklich zählt. Kaffee anbieten, nachfragen wie es der Familie geht, nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Das scheint auf griechischen Baustellen mindestens so wichtig zu sein wie die genaue Fachvokabel.
Georg, kurzer aber wichtiger Hinweis zur Kulturseite: Griechische Handwerker – zumindest nach meiner Erfahrung und dem was ich in Gesprächen aufgeschnappt habe – nehmen es nicht übel wenn jemand schlechtes Griechisch spricht. Ganz im Gegenteil. Der Versuch an sich wird als Zeichen von Respekt gewertet, und das öffnet Türen, die sonst zu bleiben.
Grammatikalisch genau zu sein ist auf der Baustelle zweitrangig. Sag ruhig mal ein Verb im falschen Tempus oder einen Kasus falsch – das stört niemanden. Was zählt ist, ob du die Bereitschaft zeigst, dich anzupassen. Auf das φέρων τοίχος-Beispiel von A.Bergmann möchte ich noch ergänzen: Im Alltagsgriechisch der Baustelle hört man dafür oft schlicht "ο τοίχος που κρατάει" – also wörtlich "die Wand, die hält". Das versteht jeder sofort, ohne dass man den Fachbegriff kennen muss. Manchmal ist das Umschreiben auf der Baustelle effektiver als das perfekte Fachwort.