Ich beschäftige mich jetzt seit zwei Jahren intensiv mit Neugriechisch und stoße dabei immer wieder auf Wörter, die offensichtliche Verbindungen zum Deutschen haben – entweder direkt über gemeinsame indoeuropäische Wurzeln oder über griechische Lehnwörter, die ins Deutsche eingeflossen sind. Denke da an Sachen wie "Demokratie", "Phantasie", "Musik", "Theater" usw. – das sind im Griechischen natürlich keine Fremdwörter, sondern heimische Begriffe.
Meine eigentliche Frage ist aber: Wie belastbar ist dieses Prinzip als Lernstrategie? Ich habe gelesen, dass sogenannte "kognate Vokabeln" das Lernen messbar beschleunigen können, weil das Langzeitgedächtnis bereits vorhandene Ankerpunkte nutzt. Andererseits gibt es ja die berüchtigten "falschen Freunde", die einen gründlich in die Irre führen können.
Hat jemand systematisch damit gearbeitet, also wirklich gezielt zuerst Wörter gelernt, die deutsch-griechische Gemeinsamkeiten aufweisen, bevor man sich "unbekanntes" Vokabular vorgenommen hat? Ich frage mich ob das effizienter ist als klassische Karteikarten ohne diese Priorisierung – oder ob man sich dabei nur in einer falschen Sicherheit wiegt. Gibt es hier Leute, die das empirisch für sich getestet haben, vielleicht sogar mit unterschiedlichen Methoden verglichen haben? Bin gespannt auf echte Erfahrungen, nicht nur Bauchgefühl.
Das ist eine interessante Frage, obwohl ich gestehen muss, dass ich das bisher nicht so systematisch angegangen bin. Ich lerne seit der Pensionierung hauptsächlich das Alphabet und versuche, die Schriftzeichen zu verinnerlichen – da bin ich noch nicht so weit, dass ich Vokabelstrategien miteinander vergleiche.
Aber was ich sagen kann: Als ich angefangen habe, griechische Wörter zu lesen, war es tatsächlich eine kleine Freude, plötzlich Wörter wie ΘΕΑΤΡΟ oder ΜΟΥΣΙΚΗ zu erkennen, weil ich die Buchstaben zusammensetzen konnte und dann dachte – ach, das kenn ich doch! Das hat zumindest motivierend gewirkt.
Ob das wirklich effizienter ist als andere Methoden, kann ich nicht beurteilen. Ich glaube, für Anfänger wie mich ist es erstmal gut fürs Selbstvertrauen. Ob es den Lernfortschritt messbar beschleunigt, wie du fragst – das übersteigt ehrlich gesagt meinen Erfahrungsstand gerade noch.
Ich hab das tatsächlich eine Weile systematisch getestet. Mein Ansatz war: erst zwei Wochen lang gezielt Kognate pauken (mit einer kuratierten Wortliste), dann zwei Wochen normales Vokabeltraining ohne Priorisierung, jeweils mit Wiederholungsquiz nach 48h und 7 Tagen. Kleines n, also keine Studie, aber für mich persönlich war der Kognate-Einstieg deutlich effizienter – Retentionsrate gefühlt 20-30% besser beim ersten Abruf.
Das Problem mit den falschen Freunden ist real, aber überschaubar wenn man einmal ein paar Klassiker kennt. ΓΥΜΝΑΣΙΟ heißt Mittelschule, nicht Fitnessstudio – sowas lernt man schnell.
Was mich mehr beschäftigt: KI-gestützte Tools können inzwischen sehr gut priorisieren welche Vokabeln für den eigenen Kontext relevant sind, das geht weit über statische Kognaten-Listen hinaus. Ich hab das auf meiner letzten Griechenlandrecherche nochmal gemerkt – kontextspezifisches Vokabular schlägt generische Kognaten-Listen locker.