Hallo zusammen,
ich lerne jetzt seit etwa einem Jahr Griechisch und stoße immer wieder auf Satzkonstruktionen, die mich völlig verwirren. Gestern in der Stunde hat unsere Lehrerin erklärt, dass 'Το βιβλίο το διαβάζω' (Das Buch es lese ich) völlig korrekt ist. Im Deutschen würde man ja niemals "Das Buch es lese ich" sagen - das klingt furchtbar!
Ich verstehe nicht, warum im Griechischen das Objekt doppelt auftaucht - einmal als 'το βιβλίο' und dann nochmal als 'το' vor dem Verb. Ist das eine Art Betonung? Oder liegt das an der Wortstellung? Unsere Lehrerin meinte nur knapp "Das ist eben griechischer Satzbau", aber das hilft mir nicht wirklich weiter.
Kann mir jemand das mal verständlich erklären? Gibt es eine Regel dafür, wann man so etwas macht? Und warum funktioniert das im Deutschen nicht, obwohl beide Sprachen ja indoeuropäisch sind?
Vielen Dank schon mal für eure Hilfe!
Ach, das kenne ich zu gut! Hab am Anfang auch immer gedacht, das kann doch nicht richtig sein. Aber ist halt so im Griechischen.
Wenn ich ehrlich bin, nach ein paar Jahren hört sich das völlig natürlich an. So wie wir im Deutschen auch sagen "Den Klaus, den kenne ich" - da haben wir auch ne Art Doppelung. Nur anders halt. Bei mir hat's klick gemacht, als ich angefangen hab, griechische Serien zu schauen. Da hörst du das ständig und irgendwann denkst du gar nicht mehr drüber nach.
Herr Koller, das ist tatsächlich ein sehr interessanter Punkt, den Sie da ansprechen. Diese Konstruktion nennt man in der Linguistik "klitische Doppelung" oder "clitic doubling". Das schwache Pronomen (το) ist ein sogenanntes Klitikon, das sich an das Verb anlehnt.
Der Grund liegt in der historischen Entwicklung der griechischen Sprache. Während das Deutsche seine ursprüngliche Kasusflexion weitgehend beibehalten hat, hat das Griechische andere Wege entwickelt, um grammatische Beziehungen auszudrücken. Die Objektdoppelung dient der Disambiguierung und Betonung.
Interessant ist auch, dass diese Struktur im gesprochenen Griechisch sehr häufig verwendet wird, besonders wenn das Objekt betont oder hervorgehoben werden soll. Es ist also keineswegs ein "Fehler", sondern ein völlig normales grammatisches Merkmal.
Das ist die sogenannte klitische Objektdoppelung im Griechischen. Ganz normal und völlig korrekt! Das schwache Pronomen 'το' verdoppelt das starke Objekt 'το βιβλίο' - so funktioniert das eben im Neugriechischen.
Im Deutschen haben wir diese Struktur verloren, aber andere romanische Sprachen kennen das auch. Im Spanischen sagst du ja auch 'La casa la veo' (Das Haus es sehe ich). Ist halt einfach eine andere grammatische Entwicklung als im Deutschen.